Was ist Schematherapie

Die Schematherapie ist ein von Jeffrey Young entwickeltes Psychotherapieverfahren. Ursprünglich wollte Young vor allem Menschen helfen, bei denen kognitive Verhaltenstherapie nicht zu einer Besserung der Symptomatik führte, weil ein schwieriger Interaktionsstil die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient erschwert oder weil bei einigen Patienten die psychische Störung in starkem Bezug zu ihrer Biografie stand. Young entwickelte daraufhin sein Konzept mit 18 maladaptiven Schemata und später das übersichtliche Moduskonzept. Das umfassende Fallkonzept und die emotionsfokussierten Interventionsmethoden der Schematherapie erleichterten die Behandlung dieser Patienten erheblich.  Primäre Zielgruppe der Schematherapie waren zunächst Patienten die unter Persönlichkeitsstörungen, v.a. Borderline Persönlichkeitsstörung litten. Heute bestehen zahlreiche Wirksamkeitsnachweise für Schematherapie, die neben der Wirksamkeit für Bordeline Persönlichkeitsstörung, auch andere Persönlichkeitsstörungen (z.B. aus dem Cluster-C) und verschiedene Achse I Störungen wie z.B. Depression und Angststörungen umfassen.  Die Schematherapie verbindet verhaltenstherapeutische, psychodynamische und gestalttherapeutische Anteile. Emotionsfokussierte Interventionstechniken wie Imagination und Stuhldialoge zeichnen die Schematherapie als ein Verfahren der sogenannten „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie aus.

 

Was zeichnet die Schematherapie aus?

  • Die besondere Wichtigkeit des emotionalen Erlebens in der Therapie
  • Einbezug von Biografie und Prägung in Krankheitsmodell und Therapieplan
  • Fokus auf Therapiebeziehung
  • Schwerpunkt auf überdauernden Bewältigungsmustern und zugrundeliegender Schemata
  • Integration verschiedener Therapieschulen: Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Bindungstheorie, Gestalttherapie

 

Welches Krankheitsmodell liegt der Schematherapie zugrunde?

Die Schematherapie geht davon aus, dass psychische Störungen im Laufe des Lebens als rigide Schemata (z.B. Emotionale Entbehrung) entstehen. Als „Überlebensstrategie“ zum Umgang mit diesen Schemata bilden sich dann dysfunktionale Bewältigungsstile (z.B. Vermeidung) heraus. Das Schema findet im Leben des Patienten in bestimmten Zuständen oder „Modi“ Ausdruck.

Fallbeispiel:

Die 32jährige Sofia leidet seit ihrer Jugendzeit immer wieder unter depressiven Episoden. Diese sind geprägt von tiefer Traurigkeit und Rückzug von Familie und Freunden. Zusätzlich leidet sie unter einer ausgeprägten Sozialen Phobie, die sich v.a. darin äußert, dass sie nicht in Gegenwart anderer Menschen essen kann. Sofia wurde mit einer Hasenscharte geboren, von der ihr eine sichtbare Narbe auf der Oberlippe und ein leichter Sprachfehler zurückgeblieben sind. In der weiterführenden Schule hatte Sofia massiven Hänseleien aufgrund ihres Sprachfehlers erlebt. Die anderen Kinder fanden ihren Mund „eklig“ und mieden sie. Damals war sie für einige Jahre vom Klassenverband fast vollständig isoliert. Sofia ist in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen und wird von beiden Eltern bis heute stark unterstützt. Ihre Eltern haben sie zu der Therapie gedrängt, weil sie der Meinung sind Sofias Freund behandele sie schlecht. Dieser hat seit Jahren keine Arbeitsstelle und lebt von Sofias Einkommen. Immer wieder haben die Eltern Szenen beobachtet in denen der Freund sich aggressiv und herablassend gegenüber Sofia verhält.

Schemadiagnostik

Sofias Therapeutin führt mit ihr ein den Schema-Fragebogen (YSQ-L3) durch. Sie zeigt starke Ausprägungen auf den Schemata Unzulänglichkeit/Scham und Unterwerfung. Auf dem Schema Verlassenheit/Instabilität zeigt sie eine mittlere Ausprägung.

Hier mehr über Sofias Schemata erfahren.

 

Modi

Gemeinsam erstellen Sofia und ihre Therapeutin ein Modus Modell für Sofia. Darin werden Sofias Gefühle von Scham, Einsamkeit und Traurigkeit als Modus der kleinen, beschämten Sofia aufgenommen. Darüber hinaus gibt es einen Modus der Sofia stark abwertet („du bist hässlich“) und ihr Druck macht. Dies ist Sofias Strafender Elternmodus. Um mit diesen intensiven negativen Gefühlen von Kind- und Elternmodus umzugehen hat Sofia einen Bewältigungsmodus entwickelt. Diese dysfunktionale Bewältigung zeigt sich einerseits in Vermeidung und Rückzug, indem Sofia Menschen und Situationen aus dem Weg geht, die ihren Eltern- oder Kindmodus triggern. Ein anderer Teil ihrer Bewältigung ist die Unterwerfung unter ihren Strafenden Elternmodus, indem sie schlechte Behandlung durch andere Menschen akzeptiert weil ihr Strafender Elternmodus ihr vermittelt, dass sie es nicht besser verdient hat.

Hier zum Modusmodell von Sofia.